GEBURT UND GESCHICHTE VON S. GIOVANNI

 

Der mittelalterliche Ursprung und die Beziehung zur Stadt

Die ersten menschlichen Siedlungen in der Zone von San Giovanni a Teduccio reichen 3000 Jahre zurück und stehen im Zusammenhang mit der Gründung der griechischen Palepoli. In der römischen Zeit wurden längs der Küste von Neapel nach Portici Patrizierhäuser gebaut, deren architektonische Spuren und Funde im Nationalmuseum noch zu bewundern sind. Wie eine Legende erzählt, erhielt das Viertel den Namen San Giovanni erst im Mittelalter, als 'Johannes' Marmorbüste im Meer gefunden wurde. In der Nähe der Statue wurde eine Kirche gebaut, die zur Hauptkirche des Viertels wurde. Hier findet man heute noch nicht nur die alte Büste des Heiligen, sondern auch ein  Säulchen, das auf die zweite Hälfte des IV. Jahrhunderts zurückgeht, mit einer lateinischen Hinschrift, die die Geburt von Arcadio und Onofrio, den Söhnen des Kaisers Theodosius zelebriert. Aus dem Namen der Besitzerin der Villa könnte wahrscheinlich die Kennzeichnung des Ortsnamens stammen; vom ursprünglichen Namen ad Theodociam, durch aufeinander folgende Entartungen (in der Moderne kennt man die Formen a Tedusculo oder a Teduzzolo) kam man zum heutigen San Giovanni a Teduccio.


Veduta di Napoli dal mare (1731, Orazio Grevenbroeck)


Vom Mittelalter bis zum XVIII. Jahrhundert

Sehr knapp sind im Mittelalter die Angaben über diesen Ort und dessen Namen; bis zum Jahr 1000 findet man in keinem Dokument den Namen San Giovanni a Teduccio, sondern vielmehr die allgemeine Bezeichnung Foris Flubeum d.h. außerhalb des Flusses Sebeto oder Quartum pittulum (kleines Stadtviertel) oder Giniolo. Erst nach dem Bau der Maddalenabrücke, dem die Umleitung des Flusses Sebeto zur Folge hatte, findet man den Namen San Giovanni a Teduccio in Beziehung auf die Zone, die von der Porta del Mercato nach Osten bis zum Lagno Kreuz führte. Die Brücke hatte einen doppelten Zweck: Sie verband zwei Zonen aber gleichzeitig war sie eine Art Demarkationslinie zwischen zwei getrennten Zonen. 1469, unter der aragonesischen Herrschaft, erscheint san Giovanni a Teduccio als eines der 43 Gehöfte der Stadt. Erst in einem Dokument aus dem Jahre 1586 werden - außer dem Gehöft von San Giovanni - diejenigen von Peccino (Pazzigno), La Villa und Pietrabianca erwähnt, die drei Stadtteile, die heute noch den historischen Stadtkern des Viertels bilden und deren Grenzen endgültig das außerstädtische Territorium von San Giovanni a Teduccio bestimmen; dies beweist die Kartographie aus der Spätrenaissance und aus dem XVIII. Jh, der Pläne von Lafrery aus dem Jahre 1566 und dem bekannteren des Herzogs von Noja aus dem jahre 1775.


 Napoli vista dal Carmine (XIX secolo, Gioacchino La Pira)

Obwohl das Gehöft von San Giovanni a Teduccio sich außerhalb der Stadtmauern befand, war es im XVII. und XVIII. Jh. Schauplatz der Stadtgeschichte, an der es aktiv teilnahm und schmerzhafte Rückschläge erlitt: in der Nähe der Mündung des Sebeto wurden laut einem Gesetz des spanischen Vizekönigsreichs die Körper der zum Tode Verurteilten  deponiert und auf das Gebiet von Pazzigno wurden die Köpfe der Geköpften geworfen; am 9. Juli 1647 vertrieb Masaniello die spanischen Truppen, die sich in der Kirche Santa Maria di Costantinopoli  in Pietrabianca verbarrikadiert hatten; am 13. Juni 1799 erhoben sich die neapolitanischen Patrioten ohne Erfolg auf der Brücke von Maddalena gegen die Truppen des Kardinals Ruffo der Kalabrien gegen die neapolitanische Republik aufgesetzt hatte und dort das Borbonenreich mit den reaktionären Truppen zurückerobert hatte.


Die industrielle Umwandlung des XIX. Jahrhunderts

Die erste Eisenbahnlinie (Neapel-Portici, im Jahre 1839 geöffnet) und die Öffnung der Werkstätten von Pietrarsa 1840 veränderten die ökonomische Lage. Während der Einigung Italiens und der zweiten Revolutionsphase ergeben sich die Voraussetzungen für die Entwicklung der Gemeinde von San Giovanni und das schafft eine große Anzahl von Aktivitäten. Als Beispiel sollte hier die metallurgische Industrie Corradini (gegründet 1872 und geschlossen 1949) und die bekannte Konservefabrik Cirio genügen. Die Entwicklung dieses Gebietes im XIX. und XX. Jh. bestimmt daher die Umwandlung in ein Industriegebiet von Neapel: 1926 wurde San Giovanni zum Neapels Viertel und heute ist es eines seiner 21 Bezirke. In den letzten Jahrzehnten haben einige Industrien geschlossen (wie die SNIA) oder sind umgesiedelt.


San Giovanni e il Vesuvio visti dal mare (Didier Barra XVII secolo)

Vorgesehen sind die Umsiedlung der Erdölindustrien und des Kraftwerkes (ENEL), die Verwertung des Küstenstriches, der jetzt von der Bahn isoliert ist, den Bau eines touristischen Hafens und die Eröffnung eines Einkaufszentrums. Dank der Ansiedlung einer Universität sollte dieses Viertel zum kulturellen Anziehungspunkt der östlichen Seite Neapels werden.