Die Volksbräuche
sind in S. Giovanni a Teduccio (wie übrigens in dem ganzen Hinterland Neapels)
mit den religiösen Festen eng verbunden, auch wenn Spuren der heidnischen
Kultur in der christlichen Tradition noch anwesend sind.
Der kulturelle
Einfluss der Stadt und die Abschaffung seitens der Zivilbehörde besonderer
Feierlichkeiten, die wegen der Euphorie der Massen gefährlich waren, hat zu
einem fortschreitenden Verlust der Traditionen geführt. Gefeiert werden dennoch
das Fest des Schutzpatrons, Johannes des Täufers, (auch
wenn viele mit ihm verbundene Veranstaltungen, wie z.B. das Pferderennen,
abgeschafft worden sind) und das Fest der Madonna dell’Arco
(auch wenn die ihr gewidmete Wallfahrtskirche, wohin die Pilger an diesem Tag
gehen, außer des Viertels liegt).
Die volkstümlichen
Veranstaltungen, die mit dem Fest des Schutzpatrons (24. Juni) verbunden sind,
beginnen geradezu am Vorabend und dauern bis zum dritten Sonntag nach dem Fest.
Am 23. Juni
abends bereiten die Einwohner des Viertels den sogenannten „Nocillo“ vor,
einen Nusslikör, der die Verdauung fördert. Man sagt, dass das Gelingen dieses
Likörs mit dem Fest des Heiligen Johannes eng verbunden sei.
Am 23. Juni, um
Mitternacht, lassen die Mädchen Blei auf einer Flamme schmelzen, dann gießen
sie es ins Wasser, um ihr zukünftiges Leben vorauszusagen: zeichnet das Blei
ein Boot, so wird das Mädchen einen Matrosen heiraten!
Das Fest wird
am 24. Juni morgens durchs Böllern und von der lokalen Musikkapelle angekündigt.
Man schmückt
Balkonen mit Festbeleuchtungen und bereitet ein üppiges Mahl vor; typisches
Gericht des Tages: „Auberginen mit Kakaosoße“.
Die Statue des
heiligen Johannes wird an den nächsten drei Sonntagen durch die Straßen
herumgeführt, die Leute werfen Münzen von den Balkonen.
Am letzten
Sonntag Juni richtet sich die Prozession nach Portici, am ersten Sonntag Juli
nach Neapel, erst am zweiten Sonntag Juli bewegt sie sich durch die Straßen des
Viertels: von Croce del Lagno bis zur Franzosenbrücke. Diese Prozession
beschließt das Fest des Schutzpatrons.
Der Kult vom
Heiligen Johannes geht vielleicht auf ein altes Fischerfest zurück, wie Carlo
Celano 1692 schrieb. In seiner Schrift sagt er aber auch, dass das Fest schon
seit 20 Jahren nicht mehr gefeiert wird, und zwar seit wann die Statue des
Heiligen vom Hafen Neapels (in der Nähe von Piazza Municipio) zur Kirche der
Baptisten, die jenseits der Mauern des Marktes liegt, in der Nähe also von San
Giovanni a Teduccio, geführt wird. Es ist leicht zu folgern, dass die
Stadtbewohner den Kult ablegten, der nur in der Nähe der Kirche als religiöse
Tradition weiterlebte.
Das Pferderennen
In den ersten fünfzig
Jahren des XX. Jahrhunderts fand am dritten Sonntag Juli ein Pferderennen zu
Ehren vom Heiligen Johannes statt.
Dieser Brauch
hat aber vermutlich einen noch älteren Ursprung, er geht vielleicht sogar auf
die Jahre der borbonischen Restauration (1814-15), auch wenn das Datum der
Veranstaltung im Laufe des Jahrhunderts mehrmals verändert wurde.
Die
Veranstaltung begann vielleicht, als der Corso San Giovanni zur Bahn der
borbonischen Reitschule, die ihren großen Marstall im Loreto Flecken hatte,
wurde. Man erzählt, dass wenn die Pferde auf dem Rückweg
schießen hörten, liefen sie spontan zum Stall; von hier aus die
Tradition des Pferderennens.
Man erinnert
sich noch an einige Pferde, die von Aversa und Caserta kamen, die längs des
Corso San Giovanni galoppierten; der siegende Jockei wurde am Abend mit
Gramolaten, die dieselbe Farbe seines Trikots hatten, gefeiert.
Viele Zuschauer
wohnten dem Rennen bei; sie drängten sich den Engpass des Corso San Giovanni
entlang zusammen; das war so gefährlich, dass ein Aufgebot der Polizeikräfte
notwendig war.
Aber trotz
dieser Maßnahme konnte man Unfälle nicht vermeiden; aus diesem Grund wurde die
Kundgebung anfangs der 50er Jahre von den Zivilbehörden und von der Kirche
verboten.
Das Fest der
Madonna dell’Arco
Eines der
echtesten religiösen Feste der Umgebung Neapels ist das Fest zu Ehren
der Madonna dell’Arco, das jedes Jahr am Ostermontag in der
gleichnamigen Kleinstadt in der Nähe von Neapel gefeiert wird.
Der Kult hat
sich aber in ganz Kampanien verbreitet, so dass viele Wohltätigkeitsvereine,
die den Namen der Jungfrau tragen, lange vor dem Festtag beginnen, Spenden zu
sammeln, die dann zur Wallfahrtskirche geschenkt werden.
Wenn die
Frommen zur Kirche gehen, ziehen sie eine besondere Uniform: sie sind in weiß
gekleidet, mit einem roten Gürtel und eine lange hellblaue Schärpe, die von
der Schulter zum Oberschenkel geht und die oft mit einer goldenen
Schleife endet.
Bis zur Hälfte
der 60er Jahre gingen die Frommen in zwei wohl geordneten Reihen zur
Wallfahrtskirche; Fahnen der verschiedenen Vereine gingen voran, während ein
Baldachin mit dem Bild der Jungfrau der Prozession folgte. Jeder Verein wurde
von dem sogenannten „capoparanza“ geführt, einem Mann, der mit einer Pfeife
signalisierte, wann man die Prozession unterbrechen sollte: alle begannen dann
zu springen und mit bloßen Füßen zu tanzen, dann betraten sie die
Wallfahrtskirche und erreichten den Altar kniefällig.